VEREIN TUBERÖSE SKLEROSE
COMPLEX MITANAND

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Ursachen der Tuberösen Sklerose

Das gesamte klinische Bild der Tuberösen Sklerose wird leichter verständlich, wenn man die Ursachen und den Mechanismus der Krankheitsentstehung kennt. Charakteristisch für dieses Krankheitsbild sind zahlreiche Hamartome, die sich in den meisten Organen entwickeln können. Dies sind gutartige Mischtumore mit verstärkter Zellteilungstendenz und gestörter geweblicher Differenzierung.

TSC-Gene

Zwei Gene sind für die TSC verantwortlich, TSC1 auf Chromosom 9 und TSC2 auf Chromosom 16. Sie enthalten Bauanweisungen für zwei Eiweißkörper, Hamartin und Tuberin, die im Zellplasma einen Komplex bilden, der die Zellteilung und die Differenzierung zu unterschiedlichen Zelltypen steuert. Diese Hamartin-Tuberin-Steuerung ist evolutionär alt und schon bei Insekten und Hefezellen vorhanden. Es verwundert daher nicht, dass sie in allen menschlichen Zellarten aktiv ist. Die beiden TSC-Gene, TSC1 und TSC2, sind wie die meisten menschlichen Gene in jeder Körperzelle zweifach vorhanden, wobei eine Kopie vom Vater und eine von der Mutter stammt. Der Hamartin-Tuberin-Komplex fällt dann aus, wenn eines dieser beiden Proteine in einer Zelle nicht mehr gebildet werden kann. Dies ist der Fall, wenn beide gleichen elterlichen Gene, entweder TSC1 v und m oder TSC2 v und m, durch Mutationen inaktiviert werden. Die beiden für die Inaktivierung beider Gene erforderlichen Mutationen folgen entsprechend der Zweitreffertheorie zeitlich versetzt. Bei Patienten mit einer TSC ist die erste Mutation entweder von einem Elternteil geerbt oder als Neumutation in einer der Keimzellen (Eizelle oder Samenfaden) entstanden. Diese Keimzellmutation („erster Treffer“) wird bei der Entstehung des Kindes auf alle Körperzellen vererbt, hat aber keinerlei Funktionsausfälle zur Folge, da das zweite elterliche intakte Gen die Produktion von Hamartin bzw. Tuberin noch gewährleistet. Erst wenn im Laufe des späteren Lebens eine einzelne Körperzelle eine zweite Mutation erleidet (Körperzellmutation), welche das noch funktionsfähige TSC-Gen inaktiviert („zweiter Treffer“), fällt die Bildung von Hamartin bzw. Tuberin und damit auch die Komplexbildung vollständig aus. Eine solche Zelle wird nicht mehr hinreichend vom Organismus kontrolliert, teilt sich vermehrt und bildet so ein Hamartom. Wenn allerdings die erste Mutation in einem der beiden TSC-Gene erst nach mehreren Zellteilungen der befruchteten Eizelle eintritt, wird diese Mutation nur an einen Teil der Körperzellen vererbt. Einen solchen Organismus nennt man ein genetisches Mosaik. TSC-Patienten mit einem solchen Mosaik sind meist klinisch weniger schwer betroffen, wobei zuweilen nur ein oder zwei Organe befallen sind. Bei Einzelfällen in einer Familie liegt anscheinend in über 20% ein Mosaik vor. Dies erklärt teilweise die unterschiedlich schweren Verläufe solcher Einzelfälle. Mosaike sind immer die ersten TSC-Betroffenen in der Familie und deren Eltern sind keine Anlageträger. Mosaike können auch auf einzelne Organe begrenzt sein und allein dort zu Hamartomen führen. So betroffene Patienten erfüllen oft nicht die klinischen Kriterien, die für die Diagnose einer Tuberösen Sklerose gefordert werden (vgl. Diagnose). Solche isolierten Hamartome lassen sich feingeweblich und funktionell nicht von denen einer Tuberösen Sklerose unterscheiden. Der Ausfall des Hamartin-Tuberin-Komplexes in einer Zelle führt zu vermehrten Zellteilungen, so dass ein Hamartom heranwächst. Diese Tumoren bleiben meist gutartig, infiltrieren umgebendes Gewebe nicht und metastasieren nicht. Obwohl diese Tumoren von einer Einzelzelle abstammen, zeigen sie im geweblichen Aufbau meist ein Gemisch verschiedener, wenig differenzierter Zellen wie Bindegewebszellen, Fettzellen, glatte Muskelzellen u.a. Dies ist charakteristisch für Hamartome, die sich je nach betroffenem Organ ansonsten unterschiedlich entwickeln können, so z. B. als Riesenzellastrozytome im Gehirn, als Angiofibrome in der Haut oder als Angiomyolipome der Nieren. Wenn bei einer betroffenen Zelle das Tumorwachstum nicht im Vordergrund steht, entstehen im normalen Gewebe Inseln mangelnder Differenzierung, die auch als gewebliche Fehlbildung angesehen werden und als Hamartien bezeichnet werden. Der Übergang von Hamartien zu Hamartomen ist fließend. Zu den Hamartien gehören die hypomelanostischen Flecken und die Tubera der Hirnrinde.

Adresse

Verein Tuberöse Sklerose
Complex Mitanand

Jeannette Bobos
Berg 44b
6840 Götzis
Österreich

info(at)tuberoesesklerose.at


 

 

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